„Unsere Akquisekosten sind super – wir zahlen nur 35 Euro pro Lead.“
Wenn Sie an dieser Stelle innerlich nicken, haben Sie vermutlich kein Kostenproblem, sondern ein Rechenproblem, denn das sind nicht die gesamten Kosten pro Neukunde.
Die eigentliche Frage lautet:
Was kostet Sie ein neuer Kunde – inklusive Marketing, Vertrieb und verlorener Chancen – und passt dieser Betrag zu Ihrem Deckungsbeitrag und Ihrem Cashflow? Nur wenn Sie alle Kosten die rund um das Gewinnen neuer Kunden einpreisen erhalten Sie ein nachhaltiges und zukunftsträchtiges Bild und können realistische Einschätzungen treffen.
Denkfehler im Kopf des Geschäftsführers
Typische Kurzformel im Alltag:
„Marketingbudget geteilt durch neue Kunden = passt schon. Kosten pro Neukunde passen."
Das ist zu kurz gesprungen, weil häufig fehlt:
- ein sauberer Zeitraumabgleich (Kosten von heute, Kunden von gestern).
- die Vertriebskosten (Gehälter, Provisionen, Reisekosten, Tools).
- die Relation zum Kundenwert (Customer Lifetime Value).
Ergebnis: Die Zahl sieht besser aus, als Ihr Ergebnis sich anfühlt.
Wie ein Controller die gleiche Frage stellt und warum die Kosten pro Neukunde für ihn wichtig sind.
Ein Controller würde nicht fragen: „Was kostet unser Marketing?“,
sondern: „Was kosten uns Neukunden – voll eingepreist?“
Daraus ergeben sich drei nüchterne Prüfschritte:
- Klarer Zeitraum
Ein Zeitraum = eine Rechnung.
Beispiel: Alle Marketing- und Vertriebskosten Q1, geteilt durch alle Neukunden Q1. - Vollkosten statt Schönwetterrechnung
In die Kosten gehören:- Marketing: Ads, Agenturen, Lizenzen, Content-Produktion, interne Zeitanteile.
- Vertrieb: Gehälter, Provisionen, Reisekosten, CRM/Lizenzkosten, Telefon/Tools.
Formel dahinter:
Die Customer Aquisistion Costs sind also die Summe aller Marketing und Vertriebskosten geteilt durch die Anzahl der Neukunden.
- Abgleich mit Deckungsbeitrag und Kundenwert
Ein Neukunde ist nur dann „günstig“, wenn:- Ihr Deckungsbeitrag pro Kunde den CAC in sinnvoller Zeit übersteigt. Damit bekommen Sie schon ein erstes Gefühl, ob der Kunde ein "Kostenfaktor" ist oder Ihr Unternehmen weiterbringt.
- der erwartete Kundenlebenszeitwert (CLV) deutlich darüber liegt. Mit dem Kundenlebenszeitwert fügen Sie noch eine weitere Dimension hinzu. Setzt aber voraus, dass Sie zumindest ungefähr wissen was der durchschnittliche Wert eines Kunden in Ihrem Unternehmen ist.
Sonst skaliert jede zusätzliche Nachfrage Ihr Problem – nicht Ihren Gewinn. Die Kosten pro Neukunden werden so unter umständen ganz schnell zu einem Problem.
Wo KMU sich bei Kosten pro Neukunde selbst täuschen
Drei typische Fehlbewertungen in Gesprächen mit Geschäftsführern:
- Lead-Kosten werden mit Kundenkosten verwechselt.
40 Euro pro Lead klingt gut – wenn aus 20 Leads aber nur ein zahlender Kunde wird, sind Sie plötzlich bei 800 Euro reinen Leadkosten, plus Vertrieb. - Vertrieb wird als Fixkosten verbucht, nicht als Akquisekosten.
„Der Vertrieb ist eh da“ – bis man merkt, dass zwei Vollzeitstellen faktisch hauptsächlich Neukunden jagen. - Langsame Sales-Zyklen verzerren die Sicht.
In B2B laufen Kosten kontinuierlich, Abschlüsse aber oft versetzt um Monate. Eine rein monatliche Betrachtung führt dann zu absurden Ausschlägen.
Wer hier sauber trennt, erkennt oft: Nicht das Marketing ist „zu teuer“, sondern der Prozess zwischen Erstkontakt und Abschluss ist zu schwerfällig oder unqualifiziert. Es lohnt also auch in dieser Hinsicht, die Kosten pro Neukunde genau zu prüfen.
Drei Fragen, die Ihre Sicht auf Marketingkosten ändern können
Wenn Sie das nächste Mal über das Marketingbudget entscheiden, stellen Sie sich nur diese drei Fragen:
- Welchen voll eingepreisten Betrag kann ich mir pro neuem Kunden leisten, ohne meinen Deckungsbeitrag zu zerstören? Sprich wo liegen die maximalen Kosten pro Neukunde, um immer noch wirtschaftlich zu bleiben.
- Wie hoch ist unser realer CAC in den letzten 12 Monaten – mit allen Marketing- und Vertriebskosten?.
- Wenn ich den CAC um 20% senken müsste: Würde ich zuerst bei den Kanälen sparen – oder beim Prozess zwischen Lead und Abschluss optimieren?
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, steuert sein Marketing nicht mehr über Bauchgefühl, sondern über eine Zahl, die zum Geschäftsmodell passt – nicht zum schönen Reporting.
Wenn Sie möchten, schaue ich mir Ihre Zahlen einmal strukturiert an. Oft zeigt schon eine einfache CAC- und CLV-Betrachtung, wo die echten Hebel in Marketing und Vertrieb liegen. Mit unserem Marketing-Audit legen Sie die Basis um die Kosten Ihres Marketings bewerten zu können.